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Die total abgedrehte, verrückte und wahnsinnige Wahlkampfjahr-Jahresvorschau 2017 zum Jahresende

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Januar
Das Wahlkampfjahr beginnt mit einem Paukenschlag: Sigmar Gabriel wird offiziell Spitzenkandidat der SPD. Also ein Paukenschlag im Sinne der Trommel des Duracell-Häschens. Wenn die Batterien alle sind. Die Sache ist dann also geritzt, eingetütet und rausposaunt. Jetzt kann sich die SPD ja darauf konzentrieren, eine Strategie zu entwickeln, Angela Merkel abzulösen. Dafür hat die Partei ja noch locker neun Monate. Auch wenn das bei der Partei eine schwere Geburt wird, andere bringen in der Zeit auch ein Kind zur Welt.

Februar
Die zweite riesige Überraschung erwartet Deutschland gleich im Februar: Frank-Walter Steinmeier wird schon im 1. Wahlgang durch die Bundesversammlung zum 12. Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschlands gewählt. Die SPD jubiliert, die CDU reagiert angemessen höflich, die Grünen bleiben zwiegespalten, die Linke versteckt unter ferner Liefen und die Restparteien gestalten witzige Sharepics für Facebook. Danach gibt es einen Stehempfang und Flying Buffet.

März
Im März gleich die erste richtige Landtagswahl: Das Saarland. Und sagen Sie nicht, dass das Saarland zu klein, zu unbedeutend für die Bundesrepublik ist. Unter anderem Erich Honecker, Oskar Lafontaine, Thomas Hayo und Rudi Assauer erblickten hier das Licht der Welt. Der Alltag ist aber weit trister. Die CDU liegt in den Umfragen knapp 2% über ihrem Ergebnis bei der letzten Landtagswahl, die SPD 4% drunter. Grüne und Linke halten sich, die FDP kennt da niemand, aber die AfD steht bei 9%.
Eine klare Sache für eine erneute Große Koalition. Annegret Kramp-Karrenbauer, herzlichen Glückwunsch zur erneuten Wahl zur Ministerpräsidentin. Dann.

April
Im April schauen wir vom Saarland nur einen kurzen Baguette-Wurf weit entfernt rüber in unser Nachbarland Frankreich. Das wählt nämlich einen neuen Präsidenten. Oder eine neue Präsidentin. Dann hätte allerdings Marine Le Pen gewonnen und damit würde rechts-außen seinen Siegeszug durch Europa fortsetzen können. Als Favorit gilt allerdings der Konservative Fillion. Sein Programm liest sich sich aber auch wie die ausgedruckten konservativen 60er-Jahre, insofern dürfen sich die Franzosen voraussichtlich im 2. Wahlgang und in einer Stichwahl zwischen zwei Vergangenheiten entscheiden. Nationalkonservativer wird die Politik danach auf alle Fälle. Europa wird es zukünftig noch schwerer haben.

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Mai
Im Mai wird wieder bei uns gewählt. Zweimal. Zunächst im hohen Norden, in Schleswig-Holstein. Sozi Torsten Albig führt da die sogenannte „Dänen-Ampel“ an und bei der müssten alle Leuchten mittlerweile auf Rot stehen. Denn im Moment sieht es zwar nach Verlusten vor allem bei der SPD aus, aber dennoch steht die Mehrheit. Aber die AfD kommt momentan auch auf 6%. Sollte sie einziehen, wird in Kiel noch einmal neu gewürfelt.
Und dann wird im größten Bundesland ever ever gewählt: Nordrhein-Westfalen. Und da ist richtig Spannung in der Bude, denn für die regierenden Sozialdemokraten unter Hannelore Kraft wird das ein verdammt knappes Rennen. Im Moment hat sie mit knapp 32% in den Umfragen über 7% weniger als bei den letzten Landtagswahlen und die CDU liegt gleich auf, weil sie seit dem knapp 6% gut gemacht hat. Ginge NRW für die Sozis flöten, oder müsste man sogar als Juniorpartner in eine große Koalition, spätestens dann ginge auch im Willy-Brandt-Haus der Probealarm los, nur um zu testen, wie schnell möglichst viele Menschen ihren Platz räumen könnten. Spannend wird es auch für die FDP. Wenn Chrischie Lindner hier nicht punktet, kann er seinen Kurs als gescheitert betrachten und seine Partei wird das sicher auch. Im Moment hat er fast 1,6% weniger im Vergleich zum letzten Ergebnis. Landtagswahlen in NRW – Ich rechne mit Popcorn-Lieferengpässen zu dieser Zeit.

Juni
Nüscht. Gar nüscht. Allet ruhig. Außer in den Wahlkampfzentralen. Da ist jetzt High-Season. Eine Abstimmung jagt die andere, Inhalte und deren Aufbereitung werden besprochen. Die KandidatInnen eingenordet. Die ersten Krankmeldungen flattern rein. Die Bundestagswahl wirft ihre Schatten voraus.

Juli
Im Juli geht die EU-Ratspräsidentschaft an Estland. Das freut Russland. Und die G20 tagt in Hamburg. Das freut die Rote Flora. In den Wahlkampfzentralen wird mittlerweile alles heißer gegessen, als es gekocht wird. Die Stimmungen steigen oder fallen, wie die Umfragen.

August
Für Wahlkämpfer ist jetzt Weihnachten und Ostern zusammen, wenn man sich selbst was ausrechnet für den Wahlabend. Wenn man aber resigniert hat, ist der August so, als würde jemand sehr, sehr langsam ein Pflaster von einer Schorfwunde abziehen und dabei die Hälfte der Kruste mit abreißen, während alle Freunde und Familie Urlaubsbilder auf Facebook posten. Ach Wahlkampf, du bist schon eine krasse Braut.

September
Es ist soweit! Bundestagswahl. Am 17. oder 24. Eines steht schon jetzt fest: Alle haben gewonnen. Und zwar so: Merkel und die CDU holen die meisten Stimmen, die SPD kann sich aussuchen ob nochmal klein in der Großen Koalition oder groß im denkbar kleinstem rot-rot-grün. Die Grünen können mit schwarz-grün kokettieren, oder bei rot-rot-grün einsteigen, die FDP schafft es wieder knapp rein und die Linke feiert den Sieg der Arbeiterklasse und eine mögliche Regierungsbeteiligung. Die AfD ist drin.

Oktober
Koalitionsverhandlungen. Alle mit allen, jeder mit jedem. Nur FDP und AfD kommentieren hämisch von der Außenlinie.

November
Die großen Parteitage beginnen. Und das zieht sich bis Dezember. Manche suchen neue Parteivorsitzende, andere winken den Koalitionsvertrag durch und viele bedanken sich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit der letzten Jahrzehnte, Blumenstrauß, Abgang.

Dezember
Dieses Projekt, diese Seite, all das endet. Und es wird toll gewesen sein.
Das Wahlkampfjahr wird groß. Versprochen!

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Published in Wahlkampf

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