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Wie eine mögliche CDU-Kampagne zur Bundestagswahl aussehen könnte

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Angela Merkel steht als Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl ihrer Partei fest, Gelegenheit sich schon einmal Gedanken über eine mögliche CDU-Kampagne zu machen und wie diese aussehen könnte.

Angela Merkel und die CDU stehen unter enormen Druck, denn im Wahlkampf besteht die Gefahr durch eine Zangenbewegung zermürbt zu werden und mit den eigenen Inhalten nicht durchzudringen. Auf der einen Seite formiert sich die möglich Allianz von Rot-Rot-Grün und egal ob dieses Bündnis nach dem Wahlabend überhaupt zu Stande kommt, das Thema ist gesetzt und es wird laut gespielt werden. Sowohl von der Politik als auch in den Medien. Auf der anderen Seite bedrängt die AfD und ihr Klientel die Union und wird die Kanzlerin und ihre Politik direkt und gezielt angreifen. Folgt man der medialen Aufmerksamkeit, die die AfD in den letzten vier Jahren bereits geniessen durfte, ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass auch zur Bundestagswahl die Medien ein besonderes Augenmerk auf diese Partei haben und dementsprechend viel Sendezeit und Artikelspalten für sie aufwenden werden.

Darüber hinaus ist noch vollkommen unklar, ob es Angela Merkel bis zum Wahlkampf und seine heiße Phase schafft, ihre eigene Basis und vor allem die CSU hinter ihre erneute Kandidatur und ihre Politik zu versammeln. Das sind enorme Herausforderung an die eigenen Kampagne, um dagegen sichtbar zu werden.

Was muss die CDU-Kampagne für Angela Merkel leisten?

Zunächst einmal einen wahnsinnigen Spagat. Einerseits muss Angela Merkel fest zu ihren Aussagen und politischen Handlungen der letzten Legislaturperiode stehen, gleichzeitig muss sie aber den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung tragen und mögliche Korrekturen ihrer Politik sanft einarbeiten. Macht sie das zu deutlich, liesse sie das wankelmütig erscheinen und das wäre gar nicht gut in Zeiten, in denen sich die BürgerInnen nach verlässlicher Orientierung sehnen. Was muss die Kampagne also konkret tun? Sie sollte ein Update darstellen, sie muss Fortschritt aufzeigen und eine dechiffrierbare Entwicklung abbilden. Nur dann fühlen sich die BürgerInnen in ihrem Bedürfnis mit ihren Sorgen, Ängsten, aber auch Wünschen und Plänen gehört zu werden wieder.

Die Kampagne holt die Mehrheit ins Boot.

Merkels Satz „Wir schaffen das“ steht wie kein anderer für ihre Flüchtlingspolitik der letzten zwei Jahre. Er ist sowohl Versprechen, als auch Last. Die CDU hat es in der Nachfolge des Satzes sträflich versäumt, das „Wir“ in diesem Satz nachhaltig zu betonen und inhaltlich aufzuladen. Auch die Medien haben diesen Satz vor allem benutzt, um ihn Merkel und ihrer Politik alleinig zuzuschreiben. Und die rechtspopulistischen Gegner ihrer Politik, von AfD bis Pegida, sowieso. Dabei meinte das „Wir“ eben nicht Merkel, die Regierung oder die CDU/CSU – Dieses „Wir“ meinte die gesamte Bevölkerung, Deutschland als Gesellschaft. Vielleicht ganz konkret auch die Millionen Menschen, die in der Flüchtlingshilfe aktiv sind. Diese Kampagne wird versuchen, diese kommunikative Lücke zu schließen und Merkel eben nicht als die alleinige, einsame Entscheiderin zu präsentieren, sondern als die Kanzlerin, die von der breiten Mitte der Gesellschaft getragen wird.

WERBUNG in eigener Sache:

Zusammen statt gemeinsam.

Spannend wird in diesem Zusammenhang das Wording sein. Der CDU geht es immer darum, den Zusammenhalt der Gesellschaft zu betonen, während Sozialdemokraten zum Beispiel oft auf Gemeinsamkeiten und (Chancen)Gleichheit abstellen. Die CDU will mit dem ‚Zusammenhalt‘ eine Gesellschaft betonen, die Unterschiede und individuelle Bedürfnisse akzeptiert und daraus versucht eine Einheit zu formen, während die Sozialdemokratie möglichst all die Unterschiede überwinden will, die dazu geeignet sind, Gesellschaft zu spalten und die Durchlässigkeit zwischen den Schichten zu verhindern. Folgt man dieser Annahme und den eignen Notwendigkeiten innerhalb der Kampagne, könnte der mögliche Leitsatz der gesamten Kampagne lauten:

Zusammen schaffen wir das!

Natürlich ist es legitim an dieser Stelle einzuwerfen, dass der Satz „Wir schaffen das“ politisch verbrannt ist und trotzdem lohnt es sich eine Sekunde über dieses „Update“ nachzudenken. Denn tatsächlich hat die Kanzlerin über diesen Satz nichts mehr zu verlieren, über die Adaption allerdings die Chance, all die Menschen zu gewinnen, die in der ganzen Diskussion um die Flüchtlingspolitik zu kurz kommen – sowohl all die Ehrenamtlichen, als auch die schweigende Mehrheit. Gleichzeitig formuliert der Satz in dieser Form einen Teamgeist, den Angela Merkel sicher schon mit ihrer ersten Formulierung intendieren, was ihr aber so nicht gelingen wollte.

Dieser ‚Teamgeist‘ ist geeignet tatsächlich die Mehrheit, nämlich die der diffusen gesellschaftlichen Mitte, zu mobilisieren und zu aktivieren, vielleicht sogar ein „Ja, zusammen schaffen wir das wirklich“ zu provozieren. Dieser Wille, der daraus entspringen könnte, wäre Gift für die Kampagne der AfD, immunisiert er doch vor Angriffen. Jedes „Wir schaffen das nicht“ der AfD würde so zum persönlichen Angriff auf all diejenigen empfunden werden, die sich tatsächlich engagieren, oder gerade schweigend zwischen den medialen Eindrücken und Ereignissen zerrieben werden. Auch für die anderen Parteien, wie SPD, Grüne, Linke oder FDP würde es schwierig dagegen zu argumentieren, oder eigenes wirkungsvoll entgegen zu stellen, wäre Merkel doch die glaubwürdigste Absenderin einer solchen neuen Formulierung. Die anderen Parteien könnten nur mit einem „Ja, aber“ reagieren und dieses „aber“ müsste extrem gut inhaltlich gestärkt werden, so dass damit nicht nur pauschale Kritik an der Kanzlerin transportiert werden würde, sondern auch eigene, tragfähige Konzepte. Dieser Satz würde die Mitte kommunikativ stärken und das hätte auch direkte Konsequenzen auf den Claim der CDU.

Die starke Mitte

Die CDU sieht sich als einzige Partei der Mitte und ihr bisheriger Claim drückt diesen Anspruch selbstbewusst aus, lautet er doch schlicht: „Die Mitte“. Wie aber schon oben beschrieben, wird die Zuschreibung einzelner Bevölkerungsgruppen zu dieser Mitte immer schwieriger und außerdem verorten sich auch SPD, Grüne und FDP in dieser Mitte. Das Platz ist also eng. Die Chance für die CDU besteht darin, diese Mitte gut bestärken zu können, denn die Bilanz der aktuellen Regierungsarbeit ist so gut, wie lange nicht mehr. Die Arbeitslosenzahlen sind niedrig, die Wirtschaft boomt, Deutschland ist sicher durch die Krise gekommen und bewältigt gerade Flüchtlingssituation und die islamistischen Anschläge. Das macht diese Gesellschaft durchaus souverän und als Regierungspartei, die die Kanzlerin stellt, ist es kommunikative Aufgabe, dieser Erfolge herauszustellen, während die Opposition natürlich die Missstände kritisiert. Mit diesem Selbstbewusstsein kann die CDU diese Menschen ansprechen und könnte, um dieses Selbstbewusstsein zu zeigen und auch sichtbar zu verstärken, ihren Claim für den Wahlkampagne erweitern zu „Die starke Mitte“.

Die Themen

Die hier und jetzt gezeigten Plakat-Layouts dienen ausschließlich der Illustration dieses Textes und sind KEIN(!) offizielles Wahlkampfmaterial der CDU!

Viel stärker als auf Merkels tatsächliche Flüchtlingspolitik muss sich eine mögliche Kampagne mit den sich jetzt daraus ergebenen Diskussionen und Konsequenzen beschäftigen. Die CDU wird also diesen Entwicklungen Rechnung tragen müssen und gleichzeitig, Normen und Werte unverhandelbar darstellen – Die CDU wird entlang ihre Werte die Grenzen der Belastbarkeit abbilden und somit den WählerInnen Verlässlichkeit und Sicherheit versprechen wollen. Freiheit und Demokratie sind dafür unerlässlich. Und Freiheit muss immer mit und gegen Sicherheit austariert werden. Das Themenplakat-Layout zeigt, wie das gehen könnte.

 

Trotzdem muss Merkels Kampagne die Ängste und Sorgen aufnehmen, die sich aus der konkreten Flüchtlingspolitik ergeben. Das sind nicht nur die Ängste vor Anschlägen, sondern auch vor einer Verrohrung der Gesellschaft, vor Rechtsradikalismus, aber auch vor anderen Kulturen und Religionen. Hier kann die CDU auf das Selbstbewusstsein der deutsche Kultur und die Tradition ihrer Werte verweisen, ohne das Prinzip der Hilfe aufgeben zu müssen. Das könnte dann eventuell so aussehen.

Und gleichzeitig darf natürlich nicht der Eindruck entstehen, die CDU und Merkel sind zu einer monothematischen Partei geworden, andere wichtige konservative Kernthemen und eben auch die Erfolge der Regierungsarbeit unter Merkel, müssen ihren Platz in der Kommunikation finden.

Natürlich wird es Themen wie Familien, Bildung, Wirtschaft und Verteidigung geben und dieses Layout zeigt, wie das trotz der Vorzeichen und Herausforderung der Kampagne gelingen könnte.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass es ganz sicher eine personelle Zuspitzung um Angela Merkel geben wird, gleichzeitig werden aber ihre strategischen Kampagnenplaner zum Ergebnis kommen, dass sie diese Zuspitzung nicht allein stemmen wird. Und das ist ein wesentlicher Unterschied zu den bisherigen Kampagnen der CDU: Merkel allein wird nicht mehr reichen, sondern sie werden sich Zeugen für die Erfolge, die Wirksamkeit und die Richtigkeit ihrer Politik suchen und diese als Leumund nutzen. Optisch wird das Merkel stärker in eine Gruppe von Menschen integrieren, wo sie in den bisherigen Kampagnen maximal der Mittelpunkt einer solchen Gruppe war und die sie umgebenen stark unscharf gezeichnet wurden, meist stand sie sogar allein im Bild. All das wird sich ändern.

Aus dem „Sie kenne mich. Ich bin ihre Kanzlerin.“ wird ein „Wir zusammen“, ein „Ich bin ein Teil von ihnen.“ werden.

All das, was ich oben geschrieben habe, wird am Tag der Plakatpräsentation für die tatsächliche Kampagne widerlegt werden. Sowohl im Wording und ganz sicher und hoffentlich im Layout. Und trotzdem gehe ich fest davon aus, dass bereits solche oder ähnliche Gedanken im Konrad-Adenauer-Haus formuliert werden.

Alle Beiträge auf Soundcloud hören: https://soundcloud.com/zielgruppenfernesverhalten

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https://itun.es/de/W0nggb.c

Published in Kampagne Politik Wahlkampf

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